Sonja Jüngling

Embrace-Haltung

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Embrace, was für ein schönes Wort!

Ich finde kein deutsches Äquivalent, daher habe ich beschlossen, es stumpf zu benutzen und so lange drüber zu reden, bis alle in meinem Umfeld es kennen.

Übersetzt heißt es es umarmen. Aber spätestens seit dem gleichnamigen Film hat es auch im deutschen Raum den schönes Beigeschmack des Willkommenheißens, des In-Sich-Wohlwollend-Aufnehmens, des wertfreien Annehmens.

Eine Embrace-Haltung ist für mich, wenn ich offen und wohlwollend, voller Vertrauen und Wertschätzung auf meine Umwelt zugehe und sie so akzeptiere, wie sie ist. Es geht ein bisschen Richtung radikale Akzeptanz, aber da ist mir irgendwie zu viel Resignation dein.

Embrace heißt nicht zu verurteilen oder auch nur zu werten. Ich nehme einfach nur wertfrei wahr, dass mein Gegenüber z.B. asexuell ist oder als weiblich gelesene Person nicht auf männlich gelesene steht. Embrace heißt alle Menschen so sein zu lassen, wie sie sind, weil es kein richtig oder falsch und kein gut oder schlecht gibt, solange es allen Beteiligten gut geht.

Die Embrace-Haltung ist die Haltung der Gewaltfreien Kommunikation: Jeder und jede hat einen guten Grund genau so zu sein und genau das zu tun oder eben nicht, was grade passiert. Alle Bedürfnisse sind gleich viel wert und keine Person muss sich schlecht fühlen, wenn sie diese auch äußert, so lange dies achtsam passiert und alle Involvierten so lange miteinander ins Gespräch gehen, bis eventuelle Konflikte gelöst sind.

Und ganz wichtig ist, die Embrace-Haltung auch auf mich anzuwenden, mich zu umarmen und mich willkommen zu heißen, genau so wie ich bin.

Denn wir alle sind wundervoll auf unsere ganz eigene wundervolle Weise! Und egal, was wir Schlimmes getan oder zu sein glauben, alle Menschen haben es verdient, geliebt zu werden. Denn wir hatten unsere Gründe dafür. Radikaler Gedanke, ich weiß und ich möchte das entsprechende Fass gar nicht aufmachen, aber mir ist klar, dass ich damit auch Menschen entlaste, die wirklich gewaltsame Dinge getan haben. Das tu ich für mich. Denn ob ich recht habe oder nicht, mit dieser Haltung, mit dem Gedanken, dass jeder Mensch das Beste versucht zu geben, komm ich einfach mit der Welt besser klar. Ich habe mich irgendwann dafür entschieden, weil es einfacher und schöner ist. Vertrauensvorschuss statt Angst. Sicherheit statt Zweifel. Aber das ist ein ganz anderer Artikel, der noch des Schreibens harrt.

Worauf ich hinaus wollte: sich selbst zu embracen kann so eine unfassbare Erleichterung sein! Ich kann einfach beschießen, mich zu lieben, komme was wolle. Ich liebe auch Menschen aus meiner Ursprungsfamilie, obwohl ich sie als Freundschaft nie gewählt hätte oder ich manche ihrer Handlungen immer noch nicht verstehen geschweige denn rechtfertigen kann. Aber ich liebe sie trotzdem irgendwie. Kann gar nicht anders. Warum sollte das dann nicht mit mir funktionieren, wenn es mir damit besser geht? Wenn ich mich umarme und mir danke, dass ich da bin, habe ich plötzlich wieder Energie. Plötzlich fühle ich mich nicht mehr allein oder ausgestoßen. Ich fühle mich voller Hoffnung und Dankbarkeit. Und das kann ich schlicht und ergreifend übend. Mit Mantras mit Körperübungen, mit Therapie, mit Meditation oder Atmen. Oder mit mich umarmen.

Embrace steht für mich für Toleranz und Liebe. Und ich bin total froh, dass ich sie entdeckt habe.

Und ich will noch mehr Embrace in meinem Leben.

Und in unserer Welt. Viel mehr.

Ich arbeite dran 🙂

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