Sonja Jüngling

Review Sommerfest des IKSK-Berlin

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Inspirierend - herzöffnend - frei

Das war für mich das IKSK Sommerfest letztes Wochenende in Berlin (23.-25.7.2021). In einer Atmosphäre, die achtsamer, wertschätzender und liebevoller kaum sein könnte, gab es Workshops, Vorträge, participatory Performances und viele Möglichkeiten zu lernen, diskutieren und beobachten. Das Ganze fand auf drei Etagen mitten im Berliner Holzmarkt statt und bot ganz viel Raum für (Selbst)Begegnung.
Es war mein erster direkter Kontakt mit dem Nachfolger der Xplore der Schwelle 7 rund um Felix Ruckert und es hallt so allumfassend und gleichzeitig so weich und wunderbar in mir nach, dass ich gern darüber schreiben möchte.Allem voran gibt es den eher bodenständigen Part: Wir alle waren unglaublich dankbar, dass diese Veranstaltung so stattfinden konnte. Zutritt gab es nur geimpft, getestet oder genesen, das Hygienekonzept wurde recht streng verfolgt und ist gut aufgegangen. Teilweise konnte ich fast vergessen, dass wir uns grade in einer Pandemie befinden, und mich sicher fühlen trotz Körperkontakt.
Aber wie knüpft man an an eine Zeit, in der andere Mensch als Gefahr gesehen werden und Abstand die wichtigste Regel im sozialen Kontext zu sein scheint? Wir sind soziale Wesen, wir brauchen Berührung, Verbindung zu einer Gruppe ist sprichwörtlich überlebenswichtig, auch in Zeiten ohne Säbelzahntiger. Das soziale Protokoll muss neu erlernt werden. Was ist erlaubt, was ist dem Gegenüber zu gefährlich?

Let the Show begin

Das Softlanding am Freitag war ein vorsichtiges Herantasten an eine Intimität, die ob der langen Pandemiezeit nur noch erahnt werden konnte. Bei schönstem Sommerwetter kam an der Spree fast Strandfeeling auf, während wir Bekannte hinter Masken erahnen und Teilnehmende des Wochenendes an ihrem knallgelben Bändchen und einem erwartungsvollen Lächeln erkennen konnte.
Felix hat mit ein wenig Verspätung um 21:15 Uhr die Tore geschlossen und die Performance mit seinen wie immer charmanten Worten eröffnet. Unglaublich fantasievolle Kleidung und Accessoires ließen mich meine anfängliche Unsicherheit vergessen. Vom ersten Moment an genoß ich die vibrierende Erwartung des Abends, der uns erwartete. Die Menschen sammelten sich in ausgewiesenen Areas und starteten nahezu direkt mit dem Spiel um Nähe und Distanz, um die innere und äußere Bewegung, eigene und fremde Körpererfahrungen, um Führung und Hingabe, um Präsenz und Resonanz. Es war inspirierend.
 
Trotz Ende spät in der Nacht starteten am nächsten Tag um 12 die ersten Vorträge und Workshops. Ich stromerte oft durch die Etagen, weil ich mich ob der interessanten Themen kaum entscheiden konnte. Und parallel zum Workshop-Programm gab es ein großes Angebot von Entfaltungsmöglichkeiten jeweils Samstag und Sonntag von 12 bin mindestens 18 Uhr.Im Silent Space boten Jürgen Grötzinger, Gagarino und andere durchgehend mit einer Vielzahl an Instrumenten und stimmlichen Variationen einen liebevollen Klangteppich in einem stilvoll, schön und offen dekorierten Saal unterm Dach, der mit Helligkeit und viel frischer Luft Allen Raum bot, die sich ausruhen oder in Stille und Langsamkeit einander oder sich selbst nähern wollten.
Es hab die Möglichkeit sich von Sarah König, Jens Dube, Micha Stella und Indria Maria Törekti tätowieren zu lassen in einem luftigen und gleichzeitig herrlichen abgetrennten Bereich.
Es stand ein Shibari Space inkl. Demo und Try Out mit Discovery Kinbaku, Frl Lilly und Seilartig zur Verfügung.
Überall boten sich lauschige Plätzchen zum Sprechen oder Lachen.
Und wir konnten jederzeit das große Angebot and Speisen und Getränken im mediterranen Flair des Holzmarktstraße genießen.

Das waren "meine" Veranstaltungen:

Jana/Matthias „das erste Mal nach der Pest“

Mit Gesprächen und wundervollen Übungen näherten wir uns der Intimität, die es für eine solche Veranstaltung braucht.

Nehra Stella „Exploring Freedoms“
Die Künstlerin bewegte alle Teilnehmenden mit verschiedenen Körperübungen und animierte zur Begegnung mit Anderen und sich selbst.

Karina Kehlet Lins „Polyamorie“

Auf diesen Vortrag hatte ich mich natürlich aufgrund meines Themenschwerpunktes besonders gefreut. Und auch wenn ich Karina bereits in einer ähnlichen Veranstaltung erleben durfte, war es wieder sehr angenehm, ihrer souveränen und wertschätzenden Darstellung dieses Konzept zu lauschen und neue Aspekte und Schüsse zu hören. Die Psychologin gab einen kurzen Einblick in den aktuellen Status bezüglich nicht-heteronormativen Beziehungskonzepten und den damit auftauchenden Problemen in ihrer Praxis. Wir sprachen über Alltag und offene Fragen im Zusammenhang mit Polyamorie. Vorbilder wurden diskutiert und es wurde erneut klar, dass trotz der ganzen Offenheit in manchen Bereichen es immer noch viel zu viele Fragen zu diesem Thema bei vielen Menschen gibt. Viel zu viele suchen Orientierung, die es viel zu wenig gibt und es wird weiterhin zu wenig darüber geredet. Passt ja prima, dass ich mich bereits genau darauf eingestellt und bereits Einiges zu diesen Fragestellungen anbiete, dachte ich mir da.

Felix Ruckert „Magische Räume schaffen“

Erstaunlich gelöst und mit ganz viel Humor hat uns Felix selbst beeinflussbare Aspekte beim Besuch einer Playparty gezeigt und mit Tipps und Tricks dafür gesorgt, dass unsere nächste Veranstaltung ein Erfolg wird. Damit wurde der nächste Abend eingeläutet und nach einer Reinigungspause für die Location ging es zur zweiten participatory Performance.

Play Performance Samstag Abend
An diesem Abend war nach meinem Gefühl eine noch gelöstere Stimmung als am ersten. Das lag neben der schönen Einstimmung natürlich auch an dem Fakt, dass sich viele Teilnehmenden nun schon einige Male begegnet waren. Viel Staunen und (emotionale) Berührung hat auch diesen Abend zum Erfolg werden lassen.
 
Sanya Alaya und Micha Stella „Massage Exchange“

In einer geführten Partnermassage wurden ganz viele hilfreiche Tipps gegeben und der Fokus auf Freude beim empfangenden UND gebenden Part gelegt.

Anja und Jana und Stefano „Kinky Lomi“

Die Abwandlung der haitianischen Massagepraxis wurde in Dreiergruppen geübt, nachdem eine eindrückliche und lehrreiche Vorführung gegeben wurde.

Und das nehme ich mit

Es gab noch so viel mehr, das ich gern angeschaut hätte, aber letztendlich habe ich mich dazu entschieden, mir immer wieder Auszeiten zu nehmen und einfach nur die Atmosphäre und Menschen zu genießen. Denn ich habe nur wenige Veranstaltungen dieser Art erlebt, auf denen die Menschen so gelöst, warmherzig, tolerant achtsam und lebensfreudig waren, wie an diesem Wochenende. Das mag daran liegen, dass ich leider die Schwelle 7 Events nie persönlich erleben durfte. Denn von meinen Mitstreitern hörte ich immer wieder wehmütig erzählte Geschichten rund um den früheren Veranstaltungsort.

Gleichzeitig lebt der Spirit dieser Reihen fort. Trotz Pandemieunterbrechung, die sicherlich auch dazu beigetragen hat, dass die Veranstaltung eben nicht einer der Schwelle 7 gleichzusetzen war und die Xplore lückenlos ersetzt, ihr aber laut vieler meiner Gesprächspartner:innen zumindest nahe kommt. Trotz Ortswechsel und widriger Umstände, wurde die Individualität und Einzigartigkeit einer/s Jeden gefeiert, ein offener und gleichzeitig sehr freundlicher und wohlwollender Tonfall aktiv in den Workshops und durch Aushänge kultiviert und ganz viel Raum gegeben für persönliche Entfaltung, Gefühl und  Begegnung. Es war herzöffnend.

Ich hatte unheimlich viel Spaß, durfte staunend neue Seiten in mir entdecken und habe unfassbar beeindruckende und wundervolle Menschen kennenlernen dürfen. Denen ich hoffentlich ganz bald wieder begegnen darf auf Events, die die neuen Techniken und spannenden Impulse, die es nun in meinem Leben gibt, vertiefen. Gerade bin ich einfach nur sehr dankbar für all meine Eindrücke und fühle mich total frei.

Ich danke dem gesamten Team des IKSK-Berlin mit allen Helfern und Mitwirkenden für ihre unermüdliche Freundlichkeit und Offenheit allen Besuchern gegenüber, für willkommene Snacks zum Energietanken und natürlich  für die tolle Organisation eines fast surreal wirkenden Zusammentreffens von vorsichtigen Menschen, die feststellen durften, dass ein solch gut durchdachtes und erprobtes Konzept auch unter Pandemiebedingungen wunderbar funktioniert.
Und das macht unglaublich Lust auf mehr.
Hier findest du das Programm des IKSK-Berlin.

Schönes Träumen wünscht
Sonja

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