Sonja Jüngling

Beziehungsvielfalt – Coaching & Workshops für mehr Liebe und mehr Freiheit
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Bild von Sonja und Glossar

Glossar – einfache Erklärungen für alles rund um offene Beziehungen, Polyamorie und sonstige Vielfalt

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Ich finde es immer hilfreich zu wissen, worüber das Gegenüber grade spricht. Deswegen habe ich ein Glossar zum Thema Vielfalt in Beziehungen erstellt.

 

Vorwort

Ein schlauer Mensch hat einmal gesagt: Ein Wort ist wie ein Containerschiff, man weiß im Grunde nie so genau, was es alles enthält. Daher findest du hier meine ganz persönliche Definition der Begriffe, die für mich relevant erscheinen im Kontext dieser Homepage. Ich habe aber auch Begriffe aufgeschrieben, die ich wichtig finde zu erwähnen, weil wir viel zu wenig über sie sprechen oder weil ich dazu einfach mal meine Meinung raushauen wollte. Ich freue mich, wenn du mich kontaktierst im Falle von Dingen, die in deinen Augen fehlen oder falsch/unklar sind oder wenn Fragen auftauchen.

Es liegt in der Natur der Sache dieses Artikels, dass sich hier viele Labels finden. Dazu habe ich so ein bißchen eine Hassliebe. Denn Labels spielen bei Diskriminierung und dem so genannten „othering“ eine große Rolle und ich wünschte manchmal, ich bräuchte keinen Namen für queer oder heteronormativ. Gleichzeitig ist es schön, sich zugehörig zu fühlen zu etwas, dass ich benennen kann und natürlich ist es einfach über einen Tisch zu reden, als zu beschreiben, dass ich damit eine Holzplatte mit vier Beinen in etwa 1 m Höhe meine. Grundsätzlich ist einfach ja gut, sonst könnten wir vor lauter Erklärungen gar nicht mehr miteinander sprechen. Es schließen aber immer Begrifflichkeiten auch Dinge oder Menschen aus und das ist manchmal ungünstig. Und von mir nicht beabsichtigt. Aber ohne geht es halt auch nicht. Insofern lest bitte alles relativ und habt im Kopf, dass es sich hier um MEINE Interpretation handelt, die ich nicht als absolute Wahrheit verstehe und die sich auch immer mal wieder verändert.

Dir fehlt ein Begriff oder du verstehst etwas nicht oder du bist mit etwas nicht einverstanden oder möchtest einfach mit mir über eine Sache diskutieren? Dann meld dich gern bei mir.

 

Glossar

* Gender-Sternchen: wird oft zum Gendern genutzt und denkt dann alle nicht ausdrücklich erwähnte Formen, Phänomene und Ausprägungen mit, wird meist nicht gesprochen sondern durch den sprachlichen Stopp wie in StreuObst ausgedrückt. manchmal durch den : ersetzt, der zwar barrierefreier ist (weil leichter lesbar und von manchen Vorleseprogrammen angenehmer ausgesprochen) aber eher dem binären System zuspielt

AMEFI (Alles Mit Einer*m Für Immer): Erwartung, mit der viele Menschen in eine klassische Monogamie gehen, meiner Meinung nach birgt das einige für eine glückliche Partner*innenschaft sehr ungünstige Voraussetzungen:

  • Partner*innen sind (allein) für das eigene Glück verantwortlich
  • starkes Besitzdenken
  • wenig Autonomie und großer Wunsch nach einer eher symbiontischen Partner*innenschaft, dadurch wird Netzwerk vernachlässigt
  • gesellschaftlich vorgegebene, nicht verhandelte oder veränderbare Regeln
  • Lebenslänge, alles andere wird als Scheitern empfunden

anarchisch (ohne Herrschaft) vs. anarchistisch (Herrschaftslosigkeit aktiv anstrebend): Bezieht sich hier natürlich auf zwischenmenschliche Beziehungen. Heißt dass keine Beziehung eine andere beherrscht. Also ist z.B. eine partner*innenschaftliche Beziehung nicht wertvoller als oder unterdrückt nicht die freund*innenschaftliche Beziehung. Kernstück ist meist, dass Lables oder Stempel abgelehnt werden und die Beziehung nur von den Menschen (meist beschreibend ohne Begrifflichkeiten) definiert wird, die sie gestalten.

(beziehungs-)anarchische Modelle: schwierig, Lable werden hier ja abgelehnt :), oft eher unkonventionelle Konzepte

binär: von 2, u.a. bezeichnet das ein System, das aus zwei Komponenten besteht, also z.B. männlich vs. weiblich, siehe non-binary

BDSM (Bondage Discipline/Dominance Submission/SadoMasochism): sexuelle Spielart, die oft das Spiel mit Macht, Hierarchien, Rollen und Schmerzen mit einschließt

CNM (Consensual Non-Monogamy) = einvernehmlich nicht-monogame Beziehungen (auf Deutsch ENMB): alle sind damit einverstanden, dass die Beziehung in irgendeiner Form geöffnet bzw. sexuell nicht exklusiv ist, also offene Beziehungen inkl. Swingen, Polyamorie und anarchische Formen

Compersion: wohlwollende Mitfreude über das Glück meiner/meines Liebsten, NICHT das Gegenteil von Eifersucht, das darf auch gleichzeitig existieren

divers: = vielfältig, in Deutschland das so genannte dritte Geschlecht, also alle Menschen, die sich dem binären System nicht zugehörig fühlen

D/s-Beziehung = dominant-submissive Beziehung: Spielart innerhalb des BDSM, Machtungleichheit innerhalb einer Beziehung, D steht für den Top/aktiven Part, s für den Sub/passiven Part

Diade: Verbindung/Partnerschaft zwischen zwei Menschen

Eifersucht: neidvolle Missgunst, oft vor allem bezogen auf (mögliche) Interaktion mit (potentiellen) Sexualpartnern, oft ein Einstieg in eine spannende Innenreise mit Stationen wie Unsicherheit oder Angst oder aber die Entdeckung, wie wichtig mir einige Dinge sind, NICHT das Gegenteil von Compersion, das darf gleichzeitig existieren

ENMB (einvernehmlich nicht-monogame Beziehung)(auf Englisch CNM): alle sind damit einverstanden, dass die Beziehung in irgendeiner Form geöffnet bzw. sexuell nicht exklusiv ist, also offene Beziehungen inkl. Swingen, Polyamorie und anarchische Formen

exklusive Beziehung: drückt eine meist auf sexuelle oder romantische Aspekte bezogene Exklusivität aus, also dass z.B. Sexualität nur mit dieser Partnerperson gelebt werden oder Verlieben nicht außerhalb dieser Beziehung passieren darf

Feminismus: Abbau von Machtgefälle und Gewalt, die Haltung einer freien und selbstbestimmten Beziehung fördern Autonomie und Verbindung und zwar mit dem Mittel der Freiwilligkeit, insofern ist die Beschäftigung mit alternativen Beziehungskonzepten zur klassischen Monogamie höchst empowernd für alle Menschen, die davon selbstbestimmt in inniger Verbindung leben wollen (was nicht heißt, dass die Monoamorie nicht das beste Konzept für viele Personen sein kann)

Friends with Benefits/Freundschaft Plus: Freundschaft, in der vorübergehend oder dauerhaft auch eine sexuelle Komponente besteht, meist ohne Verbindlichkeit oder Exklusivität

gay: homosexuell, im englischen meist ausschließlich für schwul genutzt

genderqueer: siehe non-binary

heteronormativ (hetero=unterschiedlich, normativ=Regelfall): Das ist die Annahme, dass Beziehungen und Familienverbünde grundsätzlich von Beziehungen zwischen einem cis Mann und einer cis Frau ausgehen, oft auch die Erwartung von Eheschließung, gemeinsamer Wohnsituation, gemeinsamen Finanzen und Kindererziehung, meist inklusive der patriarchalen Rollenverteilung von Mann und Frau

inter*: Adjektiv, Menschen, die innerlich oder äußerlich beide oder keine Merkmale der Geschlechter besitzen und sich dazwischen sehen oder fühlen

Jungfernhäutchen: vorhandener oder nicht vorhandener Hautkranz am Eingang der Vagina, es gibt den Mythos, dass dieser Hautkranz bei einen Menschen mit einer Vagina, der noch nie penetrativen Sex hatte, die Vagina komplett verschließt und somit ein geschlossenes Jungfernhäutchen die Unberührtheit dieser Person beweist, da ein quasi-Verschluss nur bei wenigen Menschen überhaupt vorliegt, sagt der Zustand dieses Hauptkranz nichts über die Person aus, dieser Mythos ist ein patriarchales Werkzeug zur Kontrolle der weiblichen Sexualität, das angeblich beim ersten Geschlechtsakt durch das Zerreißen des Häutchens entstehende Blut ist fast immer Zeichen von Gewalteinwirkung 

kink/kinky (=BDSM+Fetisch): Bereich abseits der klassischen Auffassung von Sex, „mein Kink“ ist etwas, dass mich anmacht/erotisch anspricht

Klitoris: sexuelles Organ, das die Vulva und die Vagina durchzieht, oft größer als der durchschnittliche Penis, erigierbar, viele denken, es ist die kleine Perle oberhalb des Vulvaeingangs, aber das ist nur die meist besonders empfindliche Spitze

LGBTIQA+ (Lesbian Gay Bisexual Inter Trans Queer Asexual): Sammelbegriff für Menschen, die einerseits nicht heterosexuell lieben und andererseits sich nicht dem klassischen binären Geschlechtersystem zuordnen (können)

Metamour: Beziehungsmensch meines Beziehungsmenschen, zu dem ich aber keine direkt partnerschaftliche Verbindung habe

Mingle: Single mit mehreren lockeren Verbindungen, die auch sexuelle Komponenten haben, siehe auch Solo-Polyamorie

Monogamie/Monoamorie = Einehe/Einliebe: Beziehungsform, sexuell/romantisch exklusiv, in der westlichen Welt oft als Norm vorausgesetzt, oft Erwartung von Eheschließung, gemeinsamer Wohnsituation und Kindererziehung, gemeinsamen Finanzen, Lebenslänge, Leider wird diese Beziehung oft als das anzustrebende Glück dargestellt und alles abseits dieser Idee inkl. Beziehungen zwischen queeren Menschen als Scheitern oder Falsch angesehen wird, meiner Meinung nach viel zu oft eine beiderseitige zu hohe (emotionale, finanzielle und logistische) Abhängigkeit, weil die Beziehung zur mir selbst und oft auch die Autonomie aus romantischer Verklärung in den Hintergrund rückt 

New Relationship Energie (NRE): Energieboost, der in der Phase der Verliebtheit aufgrund von Hormonen geschieht und mein ganzes Leben leicht und rosarot erscheinen lässt

Non-binary/nicht-binär*:Unser System sah bis vor kurzem zwei Geschlechter aus und war somit binär (von 2). Neben diesen Geschlechtern gibt es (und gab es schon immer) Menschen, die kein Geschlecht wählen, auch genderqueer

(neo)Pronomen: Worte wie sie, er und es, für Menschen, die diese Pronomen nicht nutzen wollen gibt es Neopronomen, wie hen/hens aus Skandinavien, dey/deren angelehnt an das englische They oder in Deutschland erfunden xier/xies oder sier/sies, alternativ kann der Name, die Abkürzung genutzt oder das Pronomen vermieden werden (siehe Blogartikel) 

offene Beziehung: Beziehungen die keine (sexuelle) Exklusivität erwarten, oft wird ausschließlich sexueller Kontakt mit Dritten gestattet, emotionale und/oder längere Verbindungen aber nicht, oft stark hierarchisch (Aufteilung in Haupt- und Nebenbeziehung), wobei die Hauptbeziehung oft Vorrang hat, sehr unterschiedliche Formen, manchmal wird ganz offen drüber geredet, manchmal gar nicht, manchmal betrifft die Offenheit nur einen Menschen

othering: aus dem Englischen, wenn ich Menschen aufgrund irgendeines Merkmals als anders wahrnehme, schließe ich sie aus

Polyamorie (=Vielliebe): Beziehungsform, in der mehr als ein Mensch geliebt wird/werden darf, sehr unterschiedliche Formen, offene Kommunikation und Bedürfnisorientierung stehen im Mittelpunkt, es gibt hierarchische und nicht-hierarchische Formen

Polykül: die Summe aller Beziehungen und Menschen innerhalb der polyamoren Verbindung von Menschen

queer: genau übersetzt seltsam, bezeichnet oft homosexuelle Menschen, ich nutze es für alles abseits der klassischen Hetero-, Cis-, Mononormativität

Single: Beziehungskonzept, aktuell keine feste partnerschaftliche Bindung zu anderen Menschen habend, fälschlicherweise wird oft angenommen, dass ein Mensch diese Form nicht bewusst gewählt hat sondern lediglich auf der bisher erfolglosen Suche nach einer Partnerperson ist, ich finde Single-Sein sehr entspannt, so lange ein Netzwerk aus mir wichtigen Menschen im Hintergrund ist, solltest du zu den unfreiwilligen Singles gehören, schau doch mal, ob du als erstes eine Beziehung zu dir eingehen und dann deine Wahlfamilie gestalten möchtest, dann hast du auch alles, was eine Partner*innenschaft dir geben kann und du kannst entspannt zurück gelehnt schauen, ob es vielleicht noch einen anderen Menschen außer dir gibt, den du (selbstlos) lieben kannst

Solo-Polyamorie: Beziehungskonzept, in dem die Menschen eine stabile und erfüllende Beziehung zu sich selbst haben und zusätzlich eine oder mehrere Partnerschaftliche Verbindungen zu anderen Menschen leben, oft heißt das auch, dass Wohnsituation, Finanzen und ähnliches getrennt von denen der Partnerpersonen sind

Solo-Sex: ist ein wie ich finde sehr schöner Begriff für Masturbation, Onanieren, Selbstbefriedigung. Letzteres finde ich sowieso irgendwie komisch. Denn es umfasst das Konzept leider nur sehr einseitig. Klar mache ich das manchmal, um Befriedigung zu erlangen und manchmal ist es auch sexuell sehr befriedigend. Aber was ist denn, wenn der Fokus nicht auf dem Orgasmus liegt sondern, auf Sinnlichkeit und Zärtlichkeit? Ist es dann Selbstliebigung? Egal. Wichtig ist jedenfalls finde ich, dass Sexualität (auch) ein körperliches Bedürfnis ist und es ungemein praktisch ist, dass ich da nicht immer einen Menschen zu brauche, der im gleichen Moment Bock auf die gleiche Weise Sexualität und Zeit und Raum dafür haben muss. Ich finde es sehr traurig, dass dieses Thema immer noch so tabuisiert und stigmatisiert ist. Erst heute (14.3.2022) habe ich in einer Umfrage vom Account Lustfaktor an 1700 Menschen auf Instagram gelesen, dass 89,4% dieser Menschen Solosex unangenehm ist und dass außerdem 88,1% es komisch finden, wenn ihr/e Partner*in Solo-Sex hat („fühlt sich komisch an“). Wie schade ist das denn?! Ich habe viele Gefühle, wenn ich daran denke, dass meine Liebsten Solo-Sex haben, aber sicher keine negativen. Wir haben noch viel zu tun und ich wünsche mir sehr, dass ich dazu beitragen kann, dass noch mehr Menschen Sexualität als etwas positives wahrnehmen, das die eigenen Gesundheit und das Wohlbefinden für viele Menschen einfach dazu gehört.

Stino (von stinknormal): siehe Vanilla nur nicht so nett 🙂

trans*/transgender: Menschen, deren zugeordnetes Geschlecht nicht ihrer Identität entspricht und in Folge dessen eine Angleichung vornehmen, dies kann in der Lebensweise, den Ausweisdokumenten und/oder durch geschlechtsangleichende Maßnahmen wie Operationen oder Hormontherapie passieren, zur Kontroverse siehe Anmerkung im Blog

Vagina: der innere Teil des weiblichen, primären Sexualorgans, ich vermeide das Wort Scheide ganz bewusst, weil es den Eindruck vermittelt, der einzige Zweck dieses Organs sei die Aufnahme des Penis, das sehe ich nicht so

Vanilla: Menschen die kein Interesse an Kink haben oder nicht kinky sind

Vetorecht: das gemeinsam vereinbarte Recht in einer offenen Beziehung potentielle (Sexual)Partner*innen meiner Partnerperson abzulehnen, Ausführliches inklusive Praxistipps dazu in meinem Blog 

Vulva: der äußere Teil des weiblichen, primären Sexualorgans, ich präferiere Vulvalippen und vermeide das Wort Scham in diesem Zusammenhang

 

erwartest du hier Definitionen zu weiblich/männlich/Frau/Mann? Dann freu ich mich über eine Mail von Dir

 

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